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14.07.2017 - 18:21

Hände weg vom Riedberger Horn

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag Toni Hofreiter informierte sich bei einer Wanderung am Riedberger Horn über die dort geplante Liftverbindung. Die Gemeinden Obermaiselstein und Balderschwang wollen ihre Skigebiete verbinden. Ein neuer Lift soll durch die streng geschützte Ruhezone C führen, die laut Alpenplan weder verkehrstechnisch noch touristisch erschlossen werden darf. Grüne und Naturschützer laufen seit Jahren gegen das Projekt Sturm und befürchten, dass mit einer Sondergenehmigung der Bayerischen Staatsregierung ein Präzedenzfall für den gesamten Alpenraum geschaffen wird. Das Thema schlägt seit Monaten bayern- und bundesweit hohe Wellen.

Hofreiter bekräftigte den Widerstand seiner Partei gegen die Liftpläne und äußerte die Hoffnung, dass der Bau verhindert werden kann. Er dankte Allen, die sich vor Ort so vehement für den Natur- und Artenschutz einsetzen. Er nannte es "grundsätzlich falsch" in dem sensiblen Gebiet neue Erschließungen vor zu nehmen. Da durch den Klimawandel der Skitourismus an Bedeutung verliere, seien neue Liftanlagen und Pisten hier auch aus touristischer Sicht nicht notwendig. "Man darf nicht nur den Einzelfall sehen", geht es für Hofreiter nicht nur um einzelne Biotope sondern "grundsätzlich um den Artenschutz als Teil unserer Lebensgrundlagen". Immer mehr Tier- und Pflanzenarten würden durch Eingriffe in die Ökosysteme ausgerottet. Eine Verletzung der Alpenkonvention, könne auch ein Thema für die Bundesebene werden, so der Fraktionschef. Als Botaniker ließ Hofreiter es sich nicht nehmen, unterwegs auf die vielfältige Flora am Wegrand aufmerksam zu machen und Pflanzen zu bestimmen. 

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Aktuell beschäftigt sich der Landtag mit dem Thema, erläuterte der Landtagsabgeordnete Thomas Gehring. Bei einer Expertenanhörung habe es massive Kritik von Naturschützer und Landschaftsplaner an den Plänen gegeben. Voraussichtlich im Herbst werde sich entscheiden, ob es eine Ausnahme im Landesentwicklungsplan für den Liftbau gibt. Diese könnte dann am 1. Januar wirksam werden und den Weg für ein Planungsverfahren frei machen. Der Bund Naturschutz hat für den Fall schon mit Klage gedroht. "Das Thema bereitete der CSU erhebliche Bauchschmerzen", so Gehring: "Im Grund genommen hält sich die Staatsregierung fein heraus und überlässt die Entscheidung dem Landratsamt". 

Thomas Frey - Bezirksbeauftragter des Bund Naturschutz für Schwaben - nannte das Riedberger Horn "den Schicksalsberg der bayerischen Alpenpolitik". Er erklärte den Besuchern die Entstehung des Alpenplans, wies auf die schwierigen Bodenverhältnisse hin und zeigte auf, was an Liftanlagen und Abfahrtspisten entstehen soll. Er verwies auf ein "vielfältigen Mosaik verschiedener Biotoptypen" und den Schutz der Birkhühner, für die das Gebiet ein wichtiger Standort ist. 

Die Grünen trugen ein Transparent mit der Aufschrift "Hände weg vom Riedberger Horn" mit, da sie oben am Grad aufspannten. Kreissprecherin Christian Mader freute sich über die zahlreichen Mitwanderer. Ihr Kommen zeige, dass viele Menschen im Oberallgäu mit der weiteren Zerstörung dieses geschützten Naturraumes nicht einverstanden sind.

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